Die Geschichte des BSVH

Eine historische Abbildung vom Holsteinischen Kamp 26. Am Gebäude hängt ein Transparent mit dem damaligen Vereinsnamen "Blindenverein Hamburg e.V. - Das Louis-Braille-Haus". Das Bild stammt aus dem jahr 1988

Foto: © BSVH

Teil 1: Warum Selbsthilfe – Die Vorgeschichte

Im 19. Jahrhundert gab es zwar Institutionen, die sich um blinde Menschen kümmerten, sie aber gleichzeitig entmündigten, da sie vom Fürsorge-Gedanken geprägt waren. Es entstand der Wunsch, die eigenen Belange selbst zu vertreten und für echte Gleich­berechtigung einzutreten. Dieser Gedanke war der Gründungs­gedanke des Vereins.
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Teil 2: Gründung, politische Ausrichtung und erste Forderungen

Am 4. Januar 1909, dem 100. Geburtstag von Louis Braille, trafen sich einige blinde Männer, um den „Verein der Blinden von Hamburg und Umgegend“ zu gründen. Zunächst einmal mussten sie eine Satzung schreiben und ihre Ziele formulieren.
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Teil 3: Der Verein im Nationalsozialismus

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich der gesamte Verein. 1934 wurde die Satzung das erste Mal den neuen politischen Gegebenheiten angepasst. Die Mitglieder mussten nun deutschstämmig sein und der Vorstand konnte ein Mitglied ausschließen, wenn es „den nationalsozialistischen Grundsätzen zuwiderhandelt“. (1) Weiterlesen

Teil 4: Der demokratische Neubeginn

1946 kam es zu einem ersten Treffen blinder Männer und Frauen. Das Ziel war, den Verein wieder neu zu beleben. Als Vorsitzender wurde Emil Meissel gewählt. Eine neue Satzung musste geschrieben werden und vor allen Dingen musste die Grundversorgung der Mitglieder gesichert werden. Weiterlesen

Teil 5: Der Weg zur modernen Selbsthilfe

1981 wurde Werner Prüter zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zu den ersten Aufgaben des neuen Vorstands gehörte es, den Umbau des neuerworbenen Hauses in Timmendorf zu finanzieren. Stiftungen und Spenden sicherten die aufwendigen Umbaukosten. Weiterlesen

Teil 6: Der Beginn des zweiten Jahrhunderts

2009 feiert der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) seinen 100. Geburtstag mit der Einweihung des Louis-Braille-Platzes vor der U-Bahn-Station Hamburger Straße, einem Rathaus-Empfang und einem großen Straßenfest. Im selben Jahr tut sich auch auf politischer Ebene einiges. Weiterlesen

1909

Am 4. Januar, also zum 100. Geburtstag von Louis Braille wird der "Verein der Blinden von Hamburg und Umgegend" gegründet. "Der Verein bezweckt den Zusammenschluss der im Vereinsgebiet lebenden Blinden zu gemeinschaftlicher Verfolgung gesellschaftlicher Interessen. Der Zweck des Vereins besteht ferner darin, den Mitgliedern durch Rat und Nachweis von Tätigkeit behülflich zu sein" (§1 der Satzung).

1911

Um blinden Menschen eine Ausbildung zum Masseur zu ermöglichen, nimmt der Verein Gespräche mit dem Medizinalamt in Hamburg auf. Erst nach langen und zähen Verhandlungen kann diese Ausbildung beginnen.

1912

Die inzwischen zahlreich gegründeten Blindenvereine in den Ländern gründen als ihr Dach den Reichsdeutschen Blindenverband, RBV. Einer der Initiatoren ist Franz Walter Vogel, der 1. Vorsitzende des "Vereins der Blinden von Hamburg und Umgegend". Vogel übernimmt in den ersten Jahren auch den Vorsitz des RBV. Beide Organisationen arbeiten eng zu zusammen.

1915

Der "Verein der Blinden von Hamburg und Umgegend" veranstaltet gemeinsam mit dem RBV eine große Ausstellung im Curio-Haus. Es werden die Arbeiten blinder Handwerker verkauft, Konzerte blinder Musiker geboten und Hilfsmittel ausgestellt. Das eingenommene Geld kommt den im Krieg Erblindeten zugute.

1925

Der Verein gründet die Blindengenossenschaft Hansa. Die Genossenschaft muss sich in ihrer Anfangszeit gegen schwere Anfeindungen wehren, 1943 wird ihre Geschäftsstelle zerbombt. Sie zieht nach Timmendorfer Strand und wird erst 1970 aufgelöst.

1933 – 1945

Der Verein wird "gleichgeschaltet" und ein neuer Vereinsleiter eingesetzt. Die Satzung muss an das nationalsozialistische Gedankengut angepasst und von der Gestapo genehmigt werden. Der Verein verzichtet weitgehend darauf, Forderungen an die Gesellschaft zu stellen, Einschränkungen müssen hingenommen werden. Man konzentriert sich darauf, möglichst vielen blinden Menschen eine Arbeitstelle zu vermitteln, denn behinderte Menschen müssen sich als "vollwertige Mitglieder der deutschen Volksgemeinschaft" beweisen, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

1947

Erste neue und wieder demokratische Satzung der Nachkriegszeit.

1950

Der Verein bezieht sein neues Vereinshaus in der Wagnerstraße. Die Geschäftstelle, Schulungs- und Veranstaltungsräume finden darin Platz.

1952

Der Blindenverein Hamburg kann in Timmendorfer Strand im "Haus Sonneneck" Erholungsfürsorge für seine Mitglieder anbieten.

1960

Der weiße Stock wird in die Straßenverkehrzulassung aufgenommen.

1966

Der Verein weiht in Lurup 44 Wohnungen für blinde Menschen ein, um ihnen eine weitgehend selbständige Lebensführung zu ermöglichen. Auf dem Gelände entsteht auch ein Kulturhaus, in dem Versammlungen, Kegelabende und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden.

1971

Nach langen Bemühungen ist der Verein erfolgreich - die Hamburger Bürgerschaft beschließt die Einführung des Landesblindengeldes. Es soll die erhöhten Lebenskosten blinder Menschen ausgleichen und ist eine wesentliche Hilfe zur sozialen Integration.

1980

Immer mehr Menschen werden immer älter und erleiden im Alter schwerwiegende Sehprobleme. Der Blindenverein reagiert darauf und bietet für spät erblindete Menschen besondere Rehabilitationskurse an.

1985

Der Verein erwirbt vom DBV das Alfons-Gottwald-Haus, renoviert dieses zeitgemäß und baut damit die Erholungsfürsorge sowie seine Rehabilitationskurse aus.

1987

Um die ständig zunehmenden Herausforderungen bewältigen zu können, wird erstmals ein Geschäftsführer eingestellt. Das Grundprinzip von ehrenamtlicher Selbsthilfe bleibt erhalten.

1989

Der Verein bezieht im Holsteinischen Kamp ein größeres Haus, das Louis-Braille-Haus. Es bietet eine Hilfsmittelausstellung und eine Sozialberatung. Viele ehrenamtliche Mitglieder organisieren hier Veranstaltungen zu verschiedenen Themen aus Beruf, Medizin, Alltag und Kultur.

1990

Zum Aufbau einer aktiven Seniorenarbeit ("SEGeN" – Selbsthilfe-Engagement Gerontologie – eine Notwendigkeit") wird eine Seniorenberaterin angestellt.

1994

Die erste Ausstellung für elektronische Hilfsmittel findet statt.

1997

Da immer mehr hochgradig sehbehinderte Menschen zum BVH kommen, wird die Satzung angepasst und der Vereinsname erweitert auf: Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. – Selbsthilfeorganisation der Blinden und Sehbehinderten.

2000

Das Alfons-Gottwald-Haus wird durch erneuten Umbau und eine völlige Umstrukturierung zum "AURA-Hotel Timmendorfer Strand" und setzt damit bundesweit neue Impulse in der Erholungsfürsorge für blinde und sehbehinderte Menschen.

Durch eine weitere Satzungsänderung können jetzt auch sehbehinderte Menschen Mitglied werden.

2003

Nach Zukauf des Nachbargrundstücks erfährt das LBH eine erhebliche Erweiterung und völlige Umgestaltung. Die zahlreichen Angebote und Veranstaltungen werden übersichtlicher zusammengelegt und sind dadurch für alle Rat suchenden Menschen leichter erreichbar.

2005

Aus dem Louis-Braille-Haus wird das Louis-Braille Center (LBC).

2007

Die erste Ausstellung "Durchblick" findet statt, ein Informationstag für sehbehinderte Menschen und ihre Angehörigen.

2009

Der BSVH hat um die 1.500 Mitglieder.

2010

Die Chronik „Blindenselbsthilfe fällt nicht vom Himmel“ erscheint. Sie beleuchtet die 100-jährige Geschichte des BSVH von 1909 bis 2009.

2013

Das Kulturhaus Lurup wird geschlossen.

2014

Der Vorstand des BSVH beschließt den Neubau von Mietwohnungen auf dem Gelände des Kulturhaus Lurup.

2017

Die Hamburgische Bürgerschaft beschließt die Einrichtung eines Kompetenzzentrums für ein barrierefreies Hamburg. Der BSVH, die Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen und der Verein Barrierefrei Leben e.V. werden Träger der Einrichtung. Sie berät zukünftig Behörden, Ämter und öffentliche Institutionen zu allen Fragen der Barrierefreiheit. Bisher wurde diese Arbeit von den Organisationen für behinderte Menschen hauptsächlich ehrenamtlich geleistet.

2018

Mit einer Satzungsänderung öffnet sich der Verein für Augenpatienten. Ab sofort vertritt der BSVH die Interessen aller Menschen, die sehbehindert, blind, hörsehbehindert oder taubblind sind oder deren Erkrankung zur Sehbehinderung oder Erblindung führen kann.

Am Binsenort werden zwei Häuser mit 16 Mietwohnungen an den Eigentümer BSVH und anschließend an die ersten Mieter übergeben.

2020

Am 4. Januar 2020 feiert der BSVH seinen 111. Geburtstag. Es sollte der Startschuß für das offizielle Jubiläumsjahr sein. Dann jedoch kam die Corona-Pandemie.

2020 - 2022

Während der Corona-Pandemie ließ der BSVH seinen Mitgliedern zügig und unkompliziert Hilfsangebote zukommen. Der Verein richtete einen Corona-Newsletter ein, in dem er Mitglieder und Ratsuchende dreimal wöchentlich über alle relevanten Ereignisse und Neuigkeiten im Zusammenhang mit der Pandemie informierte. Die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen den Menschen telefonisch und online während der Lockdown-Monate zur Seite.

Die Verantwortlichen des Vereins setzten sich dafür ein, dass die Bedarfe blinder und sehbehinderter Menschen bei der Gesundheitsfürsorge mitbedacht werden. So erreichten sie beispielsweise, dass eine Impfaktion speziell für taubblinde Menschen angeboten wurde.

2022 organisierte der BSVH in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde und dem Roten Kreuz einen Impftag im Louis-Braille-Center, bei dem Unterstützungsmaßnahmen für Menschen mit Seheinschränkung angeboten wurden.