Kulturelle Teilhabe: Kultur barrierefrei erleben

Eine Frau sitzt in einem Kino-, Konzert- oder Theatersaal. Neben ihr steht ihr Langstock. Sie hat Kopfhörer auf und bedient ein Smartphone.

Foto: © Gesellschaftsbilder / Andi Weiland

Bei Anruf Kultur

Bei Anruf Kultur bringt Museen ins Wohnzimmer
Foto: © Büro grauwert

Durch den Corona-Lockdown und die Schließung der Museen und Ausstellungen bleibt Kunstinteressierten der Zugang zu Gemälden, Skulpturen oder historischen Objekten derzeit verschlossen. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH), die Agentur grauwert, spezialisiert auf die Entwicklung barrierefreier Kulturangebote, und verschiedene Hamburger Museen und Kunstvermittler wollen Kultur auch während des Corona-Lockdowns zugänglich machen. Dafür haben die Kooperationspartner eine Reihe von Telefon-Führungen entwickelt. Am Telefon können Gruppen von 15 interessierten einer Führung folgen und auch Fragen stellen.

Die Termine der Führungen finden Sie auf unserer Seite unter Terminen oder auf der Webseite der Agentur grauwert zum Thema "Bei Anruf Kultur". Dort erfahren Sie auch, wie Sie sich für die Führungen anmelden können und welche Ausstellungen angeboten werden.

Nach Anmeldung erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Festnetznummer und den Zugangscode für die Einwahl. Während der Führung werden sie auf stumm geschaltet und können so in aller Ruhe zuhören, müssen sich aber gleichzeitig keine Sorgen machen, wenn sie auf der heimischen Couch mit der Decke rascheln oder die Teetasse geräuschvoll abstellen. Zwischendurch werden die Teilnehmenden wieder dazu geschaltet, um Fragen zu stellen. Die Führungen dauern eine Stunde, ein weiterer Austausch im Anschluss ist möglich.

Das Museum kommt ins Wohnzimmer

Telefon-Führungen könnten auch nach der Corona-Zeit für viele Museen interessant sein. Erreicht man mit dieser Art der Kunstvermittlung doch Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ins Museum kommen können. Beispielsweise, weil sie nicht mobil sind oder im Pflegeheim leben. Für diese Zielgruppen kann die Vermittlung von Kunst und historischen Themen über das Telefon möglich gemacht werden. Für die Museen lassen sich neue Zielgruppen erreichen.

Hier erste Berichte dazu im Hamburger Abendblatt, im Deutschlandfunk und auf Twitter unter #BeiAnrufKultur.

Unterstützt und finanziert werden die Führungen durch ein vom Kompetenznetzwerk EDAD (Design für Alle – Deutschland e.V.) initiiertes Projekt, mit dem die Lange Nacht der Museen für blinde und sehbehinderte BesucherInnen besonders zugänglich gemacht werden soll. Dazu gehören sowohl beschreibende Führungen als auch taktile Angebote. Gefördert wird das Projekt von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg, Aktion Mensch und die Stiftung Kulturglück.

Kulturelle Teilhabe

Ein Museum selbstständig zu besuchen und die Exponate eigenständig zu erleben ist für Menschen mit einer Seheinschränkung in Deutschland bisher noch keine Realität. Auch Theaterstücke, Musicals oder Tanzaufführungen werden nur selten mit einer Audiodeskription - also der Beschreibung der visuellen Handlungen auf der Bühne - angeboten.

Noch immer ist es nicht selbstverständlich, dass blinde Menschen, die auf die Hilfe eines Führhundes angewiesen sind, diesen mit in Musikhallen, Theater oder Museen nehmen dürfen.

Menschen mit einer Seheinschränkung sind also von einer selbstständigen Rezeption kultureller Angebote so gut wie ausgeschlossen. Dabei ist auch Kultur ein Teil des gesellschaftlichen Lebens, an dem behinderte Menschen gleichberechtigt teilhaben müssen.

Der BSVH engagiert sich in Hamburg dafür, dass der Zugang zu kulturellen Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen verbessert wird. Diese Position vertreten wir beim Runden Tisch "Inklusion" der Behörde für Kultur und Medien. Darüber hinaus stehen wir im stetigen Dialog mit Vertretern der Politik, den Ansprechpartnern der kulturellen Einrichtungen und strategischen Partnern.

Im Rahmen von öffentlichkeitswirk­samen Kampagnen machen wir uns ebenfalls für das Thema stark. So stellte der BSVH nach der Eröffnung der Elbphilharmonie erhebliche Mängel hinsichtlich der Barrierefreiheit fest und machte dies öffentlich. Im Dialog mit den Verantwortlichen konnte anschließend ein konstruktiver Kompromiss für die Zugänglichkeit erarbeitet werden.

Auch am Sehbehindertentag 2018 stand die kulturelle Teilhabe seheingeschränkter Menschen im Fokus: Erfahren Sie mehr über die Kampagne "Sehbehindert im Museum".