Kulturelle Teilhabe: Kultur barrierefrei erleben

Eine Frau sitzt in einem Kino-, Konzert- oder Theatersaal. Neben ihr steht ihr Langstock. Sie hat Kopfhörer auf und bedient ein Smartphone.

Foto: © Gesellschaftsbilder / Andi Weiland

Bei Anruf Kultur

Das Logo von "Bei Anruf Kultur" (Grafik): Der Schriftzug steht in einer organgefarbenen Sprechblase, die aus einem Hörer kommt.

© Büro grauwert

Im Frühjahr 2021 entwickelten der BSVH, die Agentur grauwert, spezialisiert auf die Entwicklung barrierefreier Kulturangebote, und verschiedene Hamburger Museen und Kunstvermittler ein Angebot, das Kultur auch während des Corona-Lockdowns zugänglich machen sollte. Dafür entwickelten die Kooperationspartner "Bei Anruf Kultur": Am Telefon können Gruppen von 15 interessierten einer Führung folgen und auch Fragen stellen.

"Bei Anruf Kultur" erreicht Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ins Museum kommen oder Ausstellungen erleben können. Beispielsweise, weil sie blind oder sehbehindert sind. Oder sie sind nicht mobil oder leben im Pflegeheim. Für diese Zielgruppen kann die Vermittlung von Kunst und Kultur über das Telefon möglich gemacht werden. Die Anbieter erreichen neue Zielgruppen und erweitern ihr barrierefreies Angebot.

Das Museum kommt ins Wohnzimmer

„Bei Anruf Kultur" funktioniert ähnlich wie ein Podcast. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten nach der Anmeldung eine Festnetznummer und die Raumnummer für die Einwahl. Sie hören dem Guide über das Telefon zu und werden während des Vortrags stumm geschaltet, so dass sie sich um störende Geräusche keine Gedanken machen müssen. Falls während der Führung Fragen aufkommen, haben die Zuhörerinnen und Zuhörer die Möglichkeit, diese zwischendurch in Gesprächsrunden zu stellen. Gerade in der dunkleren Jahreszeit kann man es sich mit „Bei Anruf Kultur" zuhause mit einer Tasse Tee oder Kaffee gemütlich machen und in eine neue Kulturwelt mitnehmen lassen.

Hier Berichte dazu im Hamburger Abendblatt, im Deutschlandfunk und auf Twitter unter #BeiAnrufKultur.

Dank an die Unterstützer

Finanziert wird das Projekt derzeit durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg. Initiale Unterstützung erfolgte durch ein vom Kompetenznetzwerk EDAD (Design für Alle – Deutschland e.V.) initiiertes Projekt, mit dem Ausstellungen für blinde und sehbehinderte BesucherInnen zugänglicher werden. Dazu gehören sowohl beschreibende Führungen als auch taktile Angebote. Für die bisherige Finanzierung danken wir der Aktion Mensch und die Stiftung Kulturglück.

Kulturelle Teilhabe

Ein Museum selbstständig zu besuchen und die Exponate eigenständig zu erleben ist für Menschen mit einer Seheinschränkung in Deutschland bisher noch keine Realität. Auch Theaterstücke, Musicals oder Tanzaufführungen werden nur selten mit einer Audiodeskription - also der Beschreibung der visuellen Handlungen auf der Bühne - angeboten.

Noch immer ist es nicht selbstverständlich, dass blinde Menschen, die auf die Hilfe eines Führhundes angewiesen sind, diesen mit in Musikhallen, Theater oder Museen nehmen dürfen.

Menschen mit einer Seheinschränkung sind also von einer selbstständigen Rezeption kultureller Angebote so gut wie ausgeschlossen. Dabei ist auch Kultur ein Teil des gesellschaftlichen Lebens, an dem behinderte Menschen gleichberechtigt teilhaben müssen.

Der BSVH engagiert sich in Hamburg dafür, dass der Zugang zu kulturellen Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen verbessert wird. Diese Position vertreten wir beim Runden Tisch "Inklusion" der Behörde für Kultur und Medien. Darüber hinaus stehen wir im stetigen Dialog mit Vertretern der Politik, den Ansprechpartnern der kulturellen Einrichtungen und strategischen Partnern.

Im Rahmen von öffentlichkeitswirk­samen Kampagnen machen wir uns ebenfalls für das Thema stark. So stellte der BSVH nach der Eröffnung der Elbphilharmonie erhebliche Mängel hinsichtlich der Barrierefreiheit fest und machte dies öffentlich. Im Dialog mit den Verantwortlichen konnte anschließend ein konstruktiver Kompromiss für die Zugänglichkeit erarbeitet werden.

Auch am Sehbehindertentag 2018 stand die kulturelle Teilhabe seheingeschränkter Menschen im Fokus: Erfahren Sie mehr über die Kampagne "Sehbehindert im Museum".