Bildung und Beruf: Zugang zu beruflicher Teilhabe

Zwei Frauen arbeiten an Computern, die mit Blindenhilfstechnik ausgestattet ist. Dabei unterhalten sie sich

Foto: © DBSV

Wie sind die Forderungen der UN-BRK nach einer inklusiven Arbeitswelt mit positiven Signalen sowohl für die Wirtschaft als auch für ein gesellschaftliches Miteinander zu realisieren? Wie können künftig mehr Menschen mit Behinderung, unabhängig von Pflichtquoten, eine adäquate Beschäftigung finden?

Die Beschäftigungsquote von Menschen mit Schwerbehinderung liegt in Deutschland bei 4,7 Prozent. Rund 41.000 der beschäftigungspflichtigen Unternehmen haben noch keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Schwerbehinderung in Ausbildung oder Anstellung.

Projekt entwickelt barrierefreien IT-Musterarbeitsplatz

Das Logo des iDESkmu-Projekts. Es illustriert zwei übereinandergelegte Aktenmappen, die untere gelb, die obere blau. Auf der oberen steht zentriert iDES und auf dem Bereich der Registerkarter KMU

Unter der Federführung des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg e.V. (BSVH) startet das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte Projekt iDESkmu (inklusive Dokumenten- und Enterprise Content Managementsysteme in kleinen und mittelständischen Unternehmen) mit zwei starken Partnern: der Universität Siegen / Fachbereich Wirtschaftsinformatik und dem Softwaredienstleister HAVI Solutions GmbH & Co. KG aus Hamburg.

Das Projektteam konzentriert sich auf Softwareanwendungen, denen ein stabiler Zuwachs prognostiziert wird, um eine konkrete barrierefreie IT-Arbeitsplatzlösung zu entwickeln und das Empowerment von Softwareentwicklerinnen und -entwicklern, strategisch Verantwortlichen und insbesondere auch von Mitarbeitenden ohne technische Kenntnisse voranzutreiben. Unternehmen des Mittelstandes erhalten grundlegende Kompetenzen, um die Barrierefreiheit von Softwareanwendungen beurteilen und Mängel an Softwareentwickler kommunizieren zu können. Am Projektende steht ein barrierefreier Musterarbeitsplatz für eine Dokumentenmanagementsystem-Lösung, der die Kriterien für vernetztes Arbeiten 4.0 und des Designs für Alle erfüllt.

Viele Unternehmen in Deutschland lassen trotz Fachkräftemangels ein großes Potenzial ungenutzt. Besonders der Mittelstand hat hier Nachholbedarf, fällt doch die Beschäftigungsquote von Menschen mit einer Schwerbehinderung ist in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) weniger als halb so hoch als in Großunternehmen. Gleichzeitig sind KMU flexible Innovationstreiber mit stabiler Wachstumsrate. In den letzten Jahren sehen sie sich Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und der digitalen Transformation gegenüber, für die sie Lösungen finden müssen. Investitionen in Accessibility und Usability, Diversität und Mitarbeiterbindung sind entscheidend, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das Projekt iDESkmu vermittelt auch durch eine von Hierarchien und Funktionsebenen unabhängige Zusammenarbeit und eine Sensibilisierung in den Firmen Kompetenzen zu diesen zentralen Anforderungen. Es setzt dabei bewusst den Fokus auf Dokumentenmanagementsysteme, um Barrierefreiheit an einem real einsetzbaren Arbeitsplatz zu verankern. Fast 50 Prozent der KMU arbeiten schon heute mit Dokumentenmanagementsystemen – mit sehr positiver Wachstumsprognose durch den steigenden Zeit- und Kostendruck, die Digitalisierung sowie verschärfte Regularien.

Kontakt und weitere Informationen

Pressereferentin
Bente Hansen
b.hansen@bsvh.org
0175 81 66 545

Projektpartner
www.wineme.uni-siegen.de
www.havi.de

Studie: Was wünschen sich blinde und sehbehinderte Berufstätige?

72 Prozent, also mehr als zwei Drittel der blinden Menschen im berufsfähigen Alter sind arbeitslos. Weil Menschen mit Seheinschränkung im Arbeitsleben auf eine Vielzahl von Problemen stoßen. Das zeigt eine Umfrage unter blinden und sehbehinderten Menschen, die von der Initiative "Woche des Sehens" 2018 durchgeführt wurde.

Die Barrieren in den Köpfen sind dabei nur ein Problem. Es herrschen viele Vorurteile über die Fähigkeiten und Kenntnisse blinder und sehbehinderter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Oft werden sie schlicht als Problem gesehen, das es zu lösen gilt.

Die Studie zeigt, dass ein Großteil der Hindernisse amtsgemacht und unnötig sind. Wer blind oder sehbehindert ist, hat Anspruch auf eine Ausstattung des Arbeitsplatzes mit entsprechenden Hilfsmitteln und eine Arbeitsassistenz. Aber der Weg dahin ist lang und der bürokratische Aufwand groß. In aller Regel sitzen Betroffene am ersten Arbeitstag oder in den ersten Wochen und Monaten ohne diese Unterstützung da. Zuständigkeiten sind nicht geregelt, Anträge drehen unnötige Schleifen und unbedingt Notwendiges wird willkürlich abgelehnt, so dass zeitraubende Widerspruchsverfahren nötig sind. Und das während die Probezeit verrinnt, in der sich ein neuer Angestellter oder eine neue Angestellte beweisen soll.

Die Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Menschen setzt sich daher für mehr Fort- und Weiterbildungs­möglichkeiten ein, bittet um mehr Verständnis und Verantwortungs­bewusstsein bei den Vorgesetzten und fordert bessere Rahmenbedingungen.

Wir stehen in Hamburg Arbeitgebern jedezeit bei Fragen zur Verfügung, sensibilisieren und klären auf. Regelmäßig schulen unsere Mitarbeiterinnen interessierte Unternehmen im Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen oder unterstützen beratend bei der Auswahl der geeigneten Arbeitsplatzausstattung.

Informationen zur Studie „Was wünschen sich blinde und sehbehinderte Berufstätige?“ unter www.woche-des-sehens.de/berufsleben

Informations- und Fortbildungsveranstaltungen

Wir bieten außerdem allen Berufsgruppen, die in ihrer Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen zu tun haben, Fortbildungen an.

Mehr zu unseren Informations- und Fortbildungsangeboten.