Digitalisierung: Chancen und Herausforderungen

Das Bild zeigt Hände, die an einem Laptob mit Blindenhilfstechnik arbeiten.

Foto: © Gesellschaftsbilder / Michel Arriens

Digitalisierung ist einer der prägensten Begriffe unserer modernen Gesellschaft. Sie umfasst alle Lebensbereiche, von der Smartphone-Technologie und Smart-Speakern über digitalisierte Haushaltsgeräte bis hin zur E-Mobilität, eGovernement und der Nutzung digitaler Technik in Schule und Beruf.

Menschen mit einer Seheinschränkung profitieren in vielerlei Hinsicht von der Digitalisierung. Das Smartphone vereint z.B. viele nützliche Helfer. Bestell-Apps und Onlinedienste ermöglichen blinden und sehbehinderten Menschen mehr Unabhängigkeit. Auch die Arbeitsprozesse werden zunehmend digitaler und theoretisch für Betroffene zugänglicher.

Aber wer stellt sicher, dass die rasanten und durch die Politik geförderten digitalen Anwendungen auch für blinde und sehbehinderte Menschen - oder Menschen mit anderen Einschränkungen - zugänglich sind? Haben sie Zugang zu bürgerrelevanten Informationen, wenn Behördenverfahren zunehmend über das Internet abgewickelt werden, um die Verwaltung effizienter auszurichten? Wie wird die Eigenständigkeit von Betroffenen sichergestellt, wenn Haushaltsgeräte meist nur noch über digitale Displays bedienbar sind? Und fallen die wenigen Menschen mit Behinderung, die einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt haben, durch die Digitalisierung wieder durchs Raster?

Selbsthilfe fordert: Digitale Angebote müssen für alle zugänglich sein!

Die Blinden- und Sehbehinderten­selbsthilfe nimmt das Thema Digitalisierung sehr ernst und engagiert sich intensiv für die digitale Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen. Auf Bundesebene durch den DBSV, der im Oktober 2018 hierzu eine Resolution mit den zentralen Forderungen an die Politik verabschiedete. Die Resolution im Wortlaut.

Der BSVH macht sich auch in Hamburg für die gleichberechtigte Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen an den digitalen Entwicklungen stark. Dies ist beispielsweise erforderlich, da die „Strategie Digitale Verwaltung der Freien Hansestadt Hamburg bis 2020“ die Zielsetzung verfolgt, die Verwaltung noch effizienter auszurichten. So soll beispielsweise ab 2019 die Beantragung eines Schwerbehinderten­ausweises online möglich sein. Aber werden die 2.500 blinden und ca. 40.000 sehbehinderten Bürgerinnen und Bürger die Serviceleistungen auch eigenständig nutzen können? Und wie wird die Barrierefreiheit für die Beschäftigten in der Hamburger Verwaltung sichergestellt?

Das Thema fordert also auch hier in Hamburg eine große Aufmerksamkeit. Wir stehen hierzu mit der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, Ingrid Körner, im Dialog, um für unsere Bedürfnisse zu sensibilisieren. Wir stellen entsprechende Forderungen an die Politik in Hamburg und informieren die Öffentlichkeit.