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Tag des weißen Stockes: BSVH fordert Studiengang für Rehabilitationsfachkräfte in Hamburg
Fachkräftemangel gefährdet Selbstständigkeit blinder und sehbehinderter Menschen im Norden
Wer blind ist oder sein Sehvermögen verliert, muss viele alltägliche Dinge neu erlernen: sich mit dem weißen Langstock sicher im Straßenverkehr bewegen, einkaufen, kochen oder den Haushalt selbstständig organisieren. Dabei unterstützen speziell ausgebildete Rehabilitationsfachkräfte. Doch es gibt zu wenige von ihnen. Zum heutigen Tag des weißen Stockes unterstützt der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) deshalb die Forderung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) nach einem Bachelor-Studiengang „Rehabilitation bei Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit“. Der BSVH fordert den Hamburger Senat auf, zeitnah Gespräche mit den beteiligten Einrichtungen aufzunehmen und konkrete Schritte zur Einrichtung eines solchen Studiengangs einzuleiten.
Der Fachkräftemangel ist bundesweit gravierend. Schon heute müssen blinde und sehbehinderte Menschen in einigen Regionen rund ein Jahr auf Schulungen in Orientierung und Mobilität (O&M) oder Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) warten. In den kommenden zehn Jahren werden zudem mehr als 40 Prozent der derzeit tätigen Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig steigt durch den demografischen Wandel der Bedarf an entsprechenden Angeboten.
Bislang erfolgt die Qualifizierung zur Rehabilitationsfachkraft über eine kostenintensive Weiterbildung, die auf einem sozialen oder Gesundheitsberuf aufbaut. Ein grundständiger Bachelor-Studiengang könnte den Beruf attraktiver machen und langfristig Nachwuchs sichern.
Hamburg und Marburg bieten sehr gute Voraussetzungen
Aus Sicht des DBSV sind Hamburg und Marburg besonders geeignete Standorte für den neuen Studiengang. In Hamburg bestehen mit dem Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter (IRIS) e.V. und dem Studiengang „Pädagogik bei Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit“ an der Universität Hamburg bereits wichtige fachliche Strukturen. Das IRIS gehört neben einer Einrichtung in Marburg zu den bundesweit nur zwei Ausbildungsstätten für Rehabilitationsfachkräfte.
Ein Studienangebot in Hamburg wäre ein wichtiger Schritt, um die Versorgung blinder und sehbehinderter Menschen in Norddeutschland langfristig zu sichern. Ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte drohen sich Wartezeiten auf notwendige Rehabilitationsangebote weiter zu verlängern – mit erheblichen Folgen für die Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen.
„Hamburg bringt mit dem IRIS und der Universität Hamburg hervorragende Voraussetzungen für einen solchen Studiengang mit. Wir brauchen jetzt die Bereitschaft des Senats, gemeinsam mit den beteiligten Einrichtungen konkrete Lösungen zu entwickeln. Es geht um die langfristige Versorgung blinder und sehbehinderter Menschen im gesamten Norden. Hamburg sollte diese Chance nutzen“, sagt Heiko Kunert, Geschäftsführer des BSVH.
Rehabilitation sichert Teilhabe und vermeidet Folgekosten
Schulungen in Orientierung und Mobilität sowie in Lebenspraktischen Fähigkeiten ermöglichen blinden und sehbehinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Sie tragen zugleich dazu bei, Unfälle, Pflegebedürftigkeit und weiteren Unterstützungsbedarf zu vermeiden oder zu verringern.
„Investitionen in die Ausbildung von Rehabilitationsfachkräften stärken nicht nur die Selbstständigkeit und Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen. Sie sind auch gut angelegtes Geld, um das Sozialsystem langfristig von vermeidbaren Folgekosten im Gesundheits- und Sozialbereich zu entlasten. Wir müssen jetzt handeln, damit notwendige Unterstützung auch in Zukunft verfügbar ist“, betont Kunert.
Ansprechpartner
Melanie Wölwer
Pressesprecherin

