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Kochen mit Seheinschränkung: BSVH macht Alltagshilfen erlebbar
Wie kochen blinde und sehbehinderte Menschen? Anlässlich des Sehbehindertentages 2026 lädt der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) Medienvertretende am Dienstag, den 19. Mai 2026 um 17 Uhr zu einem gemeinsamen Kochevent in die Evangelische Familienbildung Hamburg ein. Neben dem gemeinsamen Kochen mit blinden und sehbehinderten Hobbyköchinnen und Hobbyköchen können Gäste unter Simulationsbrillen selbst Küchentätigkeiten ausprobieren und sich mit Betroffenen sowie Fachleuten austauschen.
Kochen bedeutet weit mehr als die Zubereitung von Mahlzeiten. Es verbindet Menschen, schafft Gemeinschaft, steht für Kreativität und Selbstständigkeit. Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist genau diese Selbstständigkeit jedoch keine Selbstverständlichkeit – häufig fehlen Informationen, Unterstützung oder das Wissen darüber, wie Kochen mit einer Seheinschränkung gelingen kann.
Anlässlich des Sehbehindertentages 2026 lädt der BSVH Medienvertretende deshalb am Dienstag, den 19. Mai 2026 von 17 bis 21 Uhr in der Evangelischen Familienbildung Hamburg am Loogeplatz 14–16 zu einem besonderen Kochevent ein. Gemeinsam mit der Kochgruppe des Vereins erleben Gäste, wie blinde und sehbehinderte Menschen sicher, kreativ und selbstständig in der Küche arbeiten.
Gemeinsam gekocht wird ein frühlingshaftes Drei-Gänge-Menü:
- Orangen-Fenchel-Salat mit Körnercrackern
- Gebratener weißer Spargel mit Sauce Gribiche und Drillingen
- Apfel-Rhabarber-Crumble mit Vanilleeis
Begleitet wird das Kochevent von Ute Arnold, Rehabilitationslehrerin für Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF). Sie vermittelt Techniken, mit denen blinde und sehbehinderte Menschen ihren Küchenalltag sicher und eigenständig gestalten können. Vorgestellt werden außerdem barrierefreie Haushaltsgeräte, hilfreiche Orientierungstechniken sowie praktische Lösungen für den Alltag.
Medienvertretende haben zudem die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden: Mit Simulationsbrillen und fachlicher Anleitung können verschiedene Küchentätigkeiten unter eingeschränkten Sehbedingungen ausprobiert werden. So entsteht ein unmittelbarer Eindruck davon, welche Herausforderungen, aber auch welche Möglichkeiten das Kochen mit Sehbehinderung mit sich bringt.
Neben dem gemeinsamen Kochen bietet die Veranstaltung Gelegenheit zum Austausch mit blinden und sehbehinderten Hobbyköchinnen und Hobbyköchen über Alltag, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe beim Kochen und gemeinsamen Essen.
Medienvertretende werden gebeten, sich möglichst bis Freitag, 15. Mai bei Melanie Wölwer anzumelden.
Situation der Rehabilitationsfachkräfte
Die Versorgung blinder und sehbehinderter Menschen mit Rehabilitationsangeboten ist in Deutschland zunehmend gefährdet. Bereits heute warten viele Betroffene monatelang auf Schulungen in Orientierung und Mobilität (O&M) oder Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF). Gleichzeitig wird sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärfen: Mehr als 40 Prozent der derzeit tätigen Rehabilitationsfachkräfte gehen innerhalb der nächsten zehn Jahre in den Ruhestand. Fachverbände und Institutionen, wie der BSVH und das Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter e.V. in Hamburg, machen sich deshalb für neue Wege in der Ausbildung stark und setzen sich für einen Studiengang „Rehabilitation bei Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit“ an den Standorten Hamburg und Marburg ein. Ziel ist es, den gesetzlichen Anspruch blinder und sehbehinderter Menschen auf Rehabilitation und selbst bestimmte Teilhabe langfristig abzusichern.
„Schulungen in Lebenspraktischen Fähigkeiten und Orientierung & Mobilität sind keine Zusatzangebote, sondern die Grundlage für Selbstständigkeit, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen“, erklärt Heiko Kunert, Geschäftsführer des BSVH. „Wer nicht lernt, sich sicher zu bewegen oder alltägliche Aufgaben eigenständig zu bewältigen, bleibt viel zu oft von Bildung, Arbeit und sozialem Leben ausgeschlossen. Hamburg kann jetzt gemeinsam mit Marburg eine Schlüsselrolle übernehmen und dazu beitragen, die Ausbildung dringend benötigter Rehabilitationsfachkräfte langfristig zu sichern.“
Ansprechpartner
Melanie Wölwer
Pressesprecherin

