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Begehung der Elbphilharmonie offenbart Mängel bei Barrierefreiheit

Vertreter des BSVH nahmen am heutigen Donnerstag, den 2. Februar 2017 an einer Begehung der fertiggestellte Elbphilharmonie teil. Der Termin fand auf Einladung der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, Ingrid Körner, statt. Ziel war es, verschiedene Orte im und am Gebäude hinsichtlich der Umsetzung barrierefreier Maßnahmen zu überprüfen. Dabei offenbarten sich aus Sicht von Angelika Antefuhr (1. Vorsitzende) und Karsten Warnke (Vorstandsmitglied),  zahlreiche – teilweise gravierende - Mängel. Sie werden diese nun an den gestern von der Bürgerschaft bestätigten Kultursenator Dr. Carsten Brosda herantragen.

Die Treppen im Foyer sowie im großen Saal verschwimmen zu einer einzigen Fläche, so dass selbst sehende Besucher Schwierigkeiten haben, die einzelnen Stufen zu erkennen. Über dieses Problem berichteten in der vergangenen Woche mehrere Medien, wie der NDR. Auch Intendant Christoph Lieben-Seutter räumte die Problematik bereits ein und sicherte zeitnahe Verbesserungen zu. Jedoch sprachen sowohl Medienvertreter, als auch Intendant davon, dass die oberste und unterste Stufe der Treppen bereits mit Stufenmarkierungen versehen seien. Dies ist so nicht korrekt, wie Karsten Warnke, Experte für Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und Vorstandsmitglied im BSVH erläutert: „Gut sichtbare Markierungen, wie sie in der entsprechenden DIN-Verordnung angegeben sind (DIN 18040-1), müssen an den Vorderkanten der Stufe beginnen (kantenumschließend) und 4-5 cm breit sein“, so Warnke. „Die in der Elbphilharmonie angebrachten Streifen sind ca. ½ cm breite und mit einem ca. 1-2 cm Abstand zur Kante verlaufende Linien. Die sind selbst für sehende Personen kaum sichtbar und stellen eine erhebliche Unfallgefahr dar“, so Warnke. Täglich kommt es auf Treppen zu unzähligen Stürzen und laut statistischem Bundesamt enden jedes Jahr mehr als 1.000 davon tödlich.

Orientierungslos in der Elbphilharmonie

Für sehbehinderte und blinde Besucher der Elbphilharmonie ist es darüber hinaus sehr schwierig, sich im Gebäude und auf der Plaza zu orientieren. Die Aufzüge verfügen z.B. nicht über tastbare Informationen oder Beschriftung in Brailleschrift. Und sie sagen die Stockwerke nicht akustisch an. Ein Mensch mit Seheinschränkung ist nicht in der Lage, die Aufzüge selbstständig zu bedienen.
Auch die Leistreifen, auf die Menschen angewiesen sind, die sich mit Langstock orientieren, weisen noch Mängel auf. Beispielsweise gibt es kein Leitsystem, das dem Besucher den Weg zu den Toiletten auf der Plaza weist.
Bei der Beschriftung innerhalb des Hauses sind ebenfalls Nachbesserungen notwendig, damit sich sehbehinderte Menschen orientieren können. So sind die Beschriftungen im Großen Saal für Menschen mit Seheinschränkung nicht wahrnehmbar.

Mitteilung an Kultursenator

Diese und weitere Probleme werden die Verantwortlichen des BSVH in den nächsten Tagen an den Kultursenator Dr. Carsten Brosda herantragen. „Die 3.000 blinden und ca. 40.000 sehbehinderten Hamburgerinnen und Hamburger und Touristen mit einer Seheinschränkung haben keine Möglichkeit, sich ohne fremde Hilfe in der Elbphilharmonie zurechtzufinden“, stellt Angelika Antefuhr fest. „Dies können wir nicht akzeptieren, zumal wir bereits 2007 auf viele der heute beanstandeten Punkte hingewiesen haben.“ „Die Elbphilharmonie soll als neues Wahrzeichen der Stadt Hamburg ein Zeichen in die Welt setzen. Dies muss auch ein deutliches Zeichen für Barrierefreiheit sein“, so Antefuhr.

Ansprechpartner

Melanie Wölwer

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

(040) 209 404 29
(0179) 473 83 71
m.woelwer@bsvh.org

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