Inhalt
Vereinschronik
1872
Blindengenossenschaft Hamburg
Der Gedankenaustausch unter den blinden Menschen verbesserte sich durch die Verbreitung der Blindenschrift. Sie erkannten, dass ihre soziale Notlage nur durch geeignete Erwerbs- und Berufsmöglichkeiten verbessert werden kann. Der erste Zusammenschluss blinder Menschen in Deutschland überhaupt war im Jahre 1872, die Gründung der Blindengenossenschaft in Hamburg. Diese unterhielt einen Arbeitsnachweis, eine Unterstützungs- und Krankenkasse und pflegte die Geselligkeit. Diese Einrichtung ist der Vorläufer des Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
1909
Blindenverein für Hamburg und Umgebung
Am 4. Januar 1909 wurde der "Blindenverein für Hamburg und Umgebung e.V." - heute Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. - gegründet. Sein Ziel war damals - und ist heute - die Verbesserung der Lage blinder und hochgradig sehbehinderter Menschen sowie ihre berufliche und gesellschaftliche Eingliederung.
1915
Blinde Masseure
Durch intensive Verhandlung mit dem Medizinalamt gelang es dem Verein erstmalig die Zulassung blinder Menschen zu Massagekursen durchzusetzen. Nach ihrer Ausbildung fanden sie Anstellung in großen Hamburger Krankenhäusern. Damit öffnete Hamburg blinden Menschen dieses Berufsfeld. Heute sind bundesweit mehr als 2500 blinde Masseure tätig.
1925
Blindengenossenschaft Hansa
Um 1925 waren die wirtschaftlichen Verhältnisse für blinde Menschen noch immer sehr schwierig. Um ihnen bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu bieten, gründete der Verein 1925 die "Blindengenossenschaft Hansa". In diesem Handwerksbetrieb waren zunächst 20 blinde Menschen tätig.
1928
Vereinshaus Schröderstrasse
Das 1928 erworbene Haus der "Hansa" in der Schröderstrasse 4 diente gleichzeitig als Vereinsgeschäftsstelle. In dieser konnten blinde Mitglieder anderen erblindeten Menschen Unterricht in der Blindenschrift, Blindenstenographie und im Schreibmaschineschreiben erteilen. Dies war der erste Schritt für berufliche Tätigkeit im Büro, heute ein vielfältig entwickeltes Arbeitsfeld und durch die EDV und ihre modernen Hilfsmittel sind für blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen weitere neue Berufstätigkeiten zugänglich.
1936
Der weiße Stock
Schon 1936 wurde beim damaligen Reichverkehrsministerium der Antrag auf Zulassung des im Ausland gebräuchlichen weißen Stockes als Verkehrschutzzeichen für blinde Menschen gestellt. Dieser wurde jedoch abgelehnt. Erst 1960 wurde der weiße Stock in die Strassenverkehrszulassung aufgenommen.
1943
Wiederaufbau
1943 fiel das Vereinshaus den Bomben des 2. Weltkrieges zum Opfer: In den folgenden Jahren wuchs die Blindenselbsthilfe zu einer besonders engen Gemeinschaft zusammen. Vor allem die blinden Frauen stützten sich gegenseitig, um das Leben von Tag zu Tag zu bewältigen.
1950
Vereinshaus Wagnerstrasse
Im Jahre 1950 wurde aus einer Villenruine in der Wagnerstrasse 42 das Vereinshaus aufgebaut. Die Geschäftsstelle, Schulungs- und Veranstaltungsräume fanden Platz darin und wurden Grundlage für ein reges Vereinsleben.
1952
Erholungsfürsorge
Der Blindenverein Hamburg konnte ab 1952 in Timmendorfer Strand im Haus Sonneneck Erholungsfürsorge für seine Mitglieder anbieten. Dieses Angebot wurde ab 1985 im Alfons-Gottwald-Haus (heute AURA-Hotel), auch in Timmendorfer Strand, fortgesetzt.
1966
Wohnungsfürsorge
1966 weihte der Verein in Lurup 44 Wohnungen in drei schön gelegenen Blocks ein, die blinden Menschen eine weitgehend selbstständige Lebensführung ermöglichen. Auf dem gleichen Gelände wurde 1969 das sogenannte "Kulturhaus" eröffnet. In ihm gibt es einen Saal, eine Gaststube und ein "sprechende" Kegelbahn. Hier werden Versammlungen, Kegelabende und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.
1971
Blindengeld
Viele Jahre dauerte die Durchsetzung eines Ausgleichs für die blindheitsbedingten Mehraufwendungen. Erst 1971 beschloß die Bürgerschaft - dann jedoch einstimmig - das Landesblindengeldgesetz und schuf damit einen wesentlichen Schritt zur gesellschaftlichen Integration blinder Menschen.
1980
Neue Aufgaben
Anfang der 80er Jahre zeichnete sich der Wandel in der Altersverteilung der Bevölkerung schon deutlich ab. Immer mehr Menschen erleiden im zunehmenden Alter schwerwiegende Sehprobleme. Der Blindenverein reagierte darauf und bot gerade für späterblindete Menschen besondere Rehabilitationskurse an. Mitte der 80er Jahre erhielt die Entwicklung von Blindenhilfsmitteln entscheidende Impulse durch die moderne Elektronik.
1985
Alfons-Gottwald-Haus in Timmendorfer Strand
Der Verein übernimmt das Alfons-Gottwald-Haus vom Deutschen Blindenverband und erweitert hier die bereits seit 1952 stattfindenden Erholungs- und Urlaubsangebote in Timmendorfer Strand.
1989
Das Louis-Braille-Haus
Weil das Vereinshaus in der Wagnerstrasse keinen Platz mehr für die Einrichtung einer dringend notwendigen Hilfsmittelausstellung für Blinde und Sehbehinderte hatte, bezog er am 4. Januar 1989 - dem 80 jährigen Vereinsbestehen - ein für seine Zwecke umgebautes Bürohaus am Holsteinischen Kamp 26. Benannt wurde dieses Haus nach Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift.
1990
Seniorenarbeit
Seit 1990 entwickelte sich eine aktive Seniorenarbeit. Auch viele sehbehinderte Menschen finden Rat und Hilfe im Blindenverein. Um dies zu dokumentieren, ist 1991 die Satzung entsprechend erweitert worden.
1993
Mini-Cebit
Seit 1993 finden jährlich zwei große Hilfsmittelausstellungen im Louis-Braille-Haus statt. Bei "Trends und Technik" geht es um allgemeine Hilfsmittel während bei der "Mini-Cebit" der Schwerpunkt die elektronischen Hilfsmitteln sind. An beiden Ausstellungen beteilligen sich zahlreiche Institutionen und Hilfsmittelanbieter.
1997
Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
Um die Interessen der inzwischen zahlreichen sehbehinderten Mitglieder auch nach aussen besser vertreten zu können benennt sich der Verein in "Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V." um.
2000
AURA-Hotel Timmendorfer Strand
Nach kompletten Umbau und Modernisierung wird aus dem Alfons-Gottwald-Haus das AURA-Hotel Timmendorfer Strand. Unter der gemeinsamen Marke AURA bieten die Hotels und Pensionen der Blinden- und Sehbehindertenverbände Urlaubsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse und Anforderungen blinder und sehbehinderter Menschen abgestimmt sind.
2001
Angebote für mehrfachbehinderte Menschen
Der Verein bietet Angebote für junge mehrfachbehinderte Menschen und deren Eltern an.
2005
Das Louis-Braille-Center
Nach aufwendigen Umbau und der Erweiterung um zwei Nachbargebäude bietet das nun in Louis-Braille-Center umbenannte Vereinshaus als modernes und barrierefreies Dienstleistungs- und Veranstaltungszentrum viel Platz für alle Vereinsaktivitäten und Angebote.
Auszug aus den Statuten der Blindengenossenschaft von 1872
Festschrift zum 50-jährigen Geburtstag des Vereins
Vereinshaus in der Wagnerstrasse um 1960
Erholungsheim Haus Sonneneck in Timmendorfer Strand um 1960
Kulturhaus Lurup um 1970
Beitragsmarke aus den 70er Jahren
Festschrift zum 75-jährigen Geburtstag des Vereins
Festschrift zur Eröffnung des Louis-Braille-Haus
Festschrift zum 85-jährigen Geburtstag des Vereins
Vereinslogo in den 90er Jahren
AURA-Hotel Timmendorfer Strand (vormals Alfons-Gottwald-Haus)
Das Louis-Braille-Center nach der Renovierung 2005
