"BUS-ID"

Barrierefreier Zugang blinder und sehbehinderter Menschen zum öffentlichen Nahverkehr durch Einsatz von RFID

Aufgaben und Beteiligte

Das Verbundprojekt wird unter Leitung der Helmut-Schmidt-Universität, Institut für Automatisierungstechnik, Prof. Dr.-Ing. Alexander Fay, durchgeführt. Hier werden technische, rehabilitationswissenschaftliche und methodische Aufgaben bearbeitet.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. repräsentiert potenzielle Nutzer und bearbeitet ebenfalls rehabilitationswissenschaftliche Aufgaben in engem Kontakt mit weiteren Fachleuten.

Das Büro d*ING Planung übernimmt die Koordination der konzeptionellen, technischen und baulichen Abwicklung des Forschungsvorhabens. Es bildet die Schnittstelle zu externen Stellen, z.B. zum Hamburger Verkehrsverbund (HVV), zur Hamburger Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen (LAG) und zum Institut für die Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter (IRIS).

Was ist RFID?

Die Abkürzung RFID steht für ‚Radio Frequency Identification’ und bedeutet übersetzt soviel wie Funkerkennung. Die RFID-Technologie bietet die Möglichkeit der berührungslosen Datenübertragung: Daten können automatisch, ohne manuelles Zutun, ausgelesen werden. So lassen sich Objekte identifizieren, auch wenn sie in Bewegung sind und ohne dass Sichtkontakt bestehen muss. Grundsätzlich setzt sich ein RFID-System aus den Komponenten Reader (Lesegerät), Antenne, Transponder und der Schnittstelle mit einem weiterverarbeitenden Computersystem zusammen. Ein Transponder, egal welche Form er hat - besteht aus einem Mikrochip, einer Antenne, einem Träger oder Gehäuse und unter Umständen einer Energiequelle. Er; wird an dem Objekt, das identifiziert werden soll, angebracht. In der Regel erzeugt der Reader ein elektromagnetisches Hochfrequenzfeld geringer Reichweite. Dieses Feld wird von der Antenne des Transponders empfangen und zum Mikrochip weitergeleitet. In dieser Form werden Daten zur Objekterkennung abgefragt. Der Transponde; sendet eine Antwort, die vom Reader registriert und ausgewertet wird. In der Praxis geschieht dieser Ablauf in Bruchteilen von Sekunden.

Im Bus-ID-Projekt trägt der sehgeschädigte Mensch den Transponder bei sich, der Reader wird an einer Experimentierhaltestelle installiert.

Ziel des Verbundprojektes

Das Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung und Erprobung eines prototypischen RFID-Systems als Orientierungshilfe für blinde und sehbehinderte Menschen an Bushaltestellen. Ein solches RFID-System ermöglicht sehgeschädigten Menschen die sichere Fortbewegung im ÖPNV, schafft damit die Voraussetzung für ein autonomeres Leben und erhöht die Chancen zu gesellschaftlichen Teilhabe.

Das System soll modular aufgebaut werden, d.h. Grundfunktionen für jeden Haltestellentyp anbieten (z.B. Signale zum finden der Haltestelle und einer günstigen Warteposition) und auf Wunsch abrufbare Zusatzinformationen (z.B. Fahrplanauskünfte) haben. Das System soll sowohl für einfache Haltestellen, die u.U. nur einen Haltestellenmast haben, als auch für komplexe Haltestellen, an denen mehrere Buslinien zeitgleich verkehren, Hilfestellungen bieten.

Bei der Durchführung des Projektes wird außerdem die Erweiterbarkeit des Systems auf andere Verkehrsanlagen (z.B. Schnellbahnhaltestellen, Tunnelanlagen) berücksichtigt. Es werden Aussagen zur Tauglichkeit für andere Benutzergruppen mit Orientierungsschwierigkeiten erarbeitet. In der Konzeption des Projektes ist zudem die Weiterführung in einem Nachfolgeprojekt zur Erprobung des Systems im Alltagsbetrieb angelegt.

Vorgehen im Verbundprojekt

Im ersten Teil des Projektes werden die Anforderungen an das RFID-Systems und seine Benutzungsschnittstelle beschrieben sowie technische Realisierungsmöglichkeiten für die Installation an der Haltestelle und die Integration in Betriebsleitsysteme entwickelt. Im zweiten Teil werden diese Systembestandteile im realitätsnahen Feldexperiment an einer Versuchshaltestelle probt. Die (Zwischen-)ergebnisse sollen der interessierten Fachöffentlichkeit (Blinden- und andere Behindertenorganisationen, Verkehrsunternehmen, kommunale Aufgabenträger) präsentiert werden.

Im Vordergrund des geplanten Vorhabens steht die Orientierung an Bushaltestellen. Zusätzliche Tests zur Funktionalität in Innenräumen sorgen dafür, dass die Ergebnisse mit geringem Aufwand auf die Ausstattung von S- und U-Bahnhaltestellen übertragen werden können.

Laufzeit des Projektes:

Januar 2008 – Juni 2009

Ansprechpartner

Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr (HSU)
Institut für Automatisierungstechnik (IfA)
Holstenhofweg 85
22043 Hamburg
Alexander Fay, Tel. 040 / 6541-2719
Cornelia Vogel, Tel. 040 / 6541-2397

Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH)
Louis-Braille-Center
Holsteinischer Kamp 26
22081 Hamburg
Jochen Fischer, Tel. 040 / 209 404 0
Dennis Cory, Tel. 040 / 229 30 26

Büro d*ING Planung
Architektur und Stadtplanung
Rütersbarg 46
22529 Hamburg
Jens Usadel
Tel. 040 / 430 12 36

Weitere Infos: http://aut.hsu-hh.de/busid

Das Verbundprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme "Innovative Hilfen in der Rehabilitation und für Behinderte" unter dem Förderkennzeichen 01EZ0752 gefördert.