Wiedereröffnung Louis-Braille-Center

08.06.2006 (Kommentare: 0)

Beratungs- und Veranstaltungszentrum für sehbehinderte und blinde Menschen in Hamburg und Umgebung

Nach langer Bauzeit bietet der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. den fast 4.000 blinden und über 40.000 sehbehinderten Menschen in Hamburg jetzt wieder sein umfassendes Beratungs- und Veranstaltungsprogramm.

Vom Louis-Braille-Haus zum Louis-Braille-Center - Was sind die wesentlichen Veränderungen?

  1. Blinde und sehbehinderte Menschen, ihre Angehörigen und andere Ratsuchende kommen jetzt direkt in die ebenerdig liegenden Kernbereiche Sozialberatung (zwei Sozialpädagogenbüros) und Hilfsmittelausstellung (100 qm). Statt Hinweistafeln empfängt eine Rezeptionistin und hilft bei der Orientierung.
  2. Einzelne Bereiche und Funktionen sind nicht mehr vermischt, sondern klar auf die Stockwerke verteilt. Mitgliedercenter, Vorstandszimmer und Bibliothek im 1.OG, große Veranstaltungsräume im 2.OG, Sonderräume für Entspannungstherapie (Snozzelraum), Blindenschriftunterricht, Sitzungszimmer und Verwaltung im 3.OG und barrierefreie Kommunikation (BLIZ- Blindenschriftdruck und BIK - barrierefreies Internet) im 4.OG. Eine gastronomische Einrichtung befindet sich über einen Glasgang direkt erreichbar im Nachbargebäude.
  3. Barrierefrei und behindertengerecht. Größere Fenster und sehbehindertenfreundliche Beleuchtung sowie farbliche Leitlinien und Stufenkanten erleichtern die Orientierung für sehbehinderte Menschen. Tastbare Bodenindikatoren und Handläufe helfen blinden Menschen sich zurechtzufinden. Eine Beschilderung in Blinden- und Großschrift gibt notwendige Informationen.Durch die Verbindung von zwei Gebäuden zu einer Einheit, konnten die Flure verbreitert und klarer strukturiert werden. Die Nutzung von Rollstühlen und Gehwagen ist vom Keller (Rolli-WC) bis zum 4.OG ohne Einschränkungen (keine Schwellen, breite Türen, motorunterstützte Türöffnung etc.) möglich. In der Fahrstuhlkabine kann ein Rollstuhlfahrer sogar wenden. Das LBC ist damit Modell für Barrierefreiheit und behindertenfreundliche Gebäudegestaltung.

Angebote im LBC

Alle unsere Angebote unterstützen dabei, eine eingetretene Sehbeeinträchtigung verarbeiten zu können und deren Folgen für das tägliche Leben zu mildern.
Dazu gehören pädagogisch-psychologische Beratung ebenso wie kompensierende Hilfsmittel, Aktivitäten in einer Gemeinschaft sowie Assistenz in der Wohnung.

Ziel aller Angebote ist die größtmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben und das Aktivbleiben trotz Sehbeeinträchtigung oder gar völligem Sehverlust. Die Erfahrungen Selbstbetroffener, die dies geschafft haben, sind dabei von großer Bedeutung.

Wir können vieles tun, um mit Sehbehinderung oder Blindheit zu leben, eins können wir leider nicht - das Sehen wiedergeben.

Unsere Angebote sind sowohl für Betroffene und ihre Angehörigen da, als auch für alle Interessierten, die mehr über das Leben sehbehinderter und blinder Menschen wissen möchten!

Beratungs- und Fortbildungsangebote:

  • Pädagogisch- psychologische Beratung und Gesprächskreise
  • Beratung zu Nachteilsausgleichen und in Behördenangelegenheiten
  • Hilfsmittelausstellung und -beratung
  • Sehhilfenberatung und -erprobung
  • Information und Beratung für Arbeitgeber/Arbeitnehmer
  • Fortbildung für Ausbildungseinrichtungen, Schulklassen, Vereine
  • Blindenschriftunterricht
  • Entlastungsangebote für Eltern mehrfach behinderter Kinder
  • Schulungen für Fach- und Sondergruppen
  • Sonderausstellungen mit Fachfirmen

Veranstaltungsangebote:

  • kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Art
  • regelmäßige Gruppentreffen von jung bis alt, von fachlich bis eher "betreuend"
  • Gedächtnis- und Entspannungstraining für ältere sowie mehrfachbehinderte Menschen
  • Ausflüge zu interessanten Zielen
  • Gymnastik, Aerobic, Schach und Skat

Wohnen gehört nicht zum Angebot des LBC. In die angrenzenden Wohnungen sind jedoch blinde Menschen bereits eingezogen. Die mobilen sozialen Dienste betreuen unsere Mitglieder im ganzen Stadtgebiet.

MitarbeiterInnen

Im LBC arbeiten 14 hauptberufliche MitarbeiterInnen, davon 5 blind oder hochgradig sehbehindert, sie haben in der Regel den Erstkontakt zu Betroffenen. Bis zu 40 ehrenamtliche MitarbeiterInnen sind in der Mitgliederbetreuung für verschiedene Veranstaltungen und in den unterschiedlichsten Vereinsgremien und -gruppen tätig. Ergänzend sind bis zu 4 Zivis/FSJ und 2 Übungsleiter eingesetzt.

IRIS e.V.

IRIS e.V., das Institut für Rehabilitation und Integration Sehgeschädigter, das Orientierungs- und Mobilitätstraining sowie Training in lebenspraktischen Fähigkeiten anbietet, außerdem berufliche Fortbildungen, ist jetzt direkter Nachbar des BSVH, sodass ein schneller Austausch und Besuch möglich ist.

Kosten und Finanzierung der Modernisierung

Die Gesamtkosten für die Modernisierung betragen rund 3 Mio. €, wobei statischer Umbau und Brandschutz die größten Kostenpakete waren.

Die wesentlichen Finanzquellen sind Darlehen (30 %), Erbschaften (25 %), Verkauf einer Erb-Immobilie (25 %), sowie Spenden aus der Bevölkerung und Zuschüsse von Stiftungen (19 %), öffentliche Mittel (1 %).

Ohne die großartige und dankeswerte Unterstützung unserer Arbeit durch Nachlässe und Spenden, wäre das Ganze also nicht möglich gewesen, denn öffentliche Mittel beschränken sich auf Zuschüsse zu Wärmeschutzmaßnahmen und Energieberatung.

Neues Corporate Design

Ab sofort wird der BSVH mit neuem Logo und neuem Design auftreten. Das farbenfrohe Haus, das für eine große Gemeinschaft offen steht, lässt sich nicht mehr mit einem blauen Männchen abbilden. Wir haben deshalb eine warme Farbkombination gewählt und viele Figuren, um so Vielseitigkeit und Wärme zu signalisieren, unterstützt durch den Slogan "Gemeinsam weiter sehen". Ab heute ist deshalb auch die Homepage www.bsvh.org neu.

Erwartungen

Wir wünschen uns, dass das Louis-Braille-Center von unseren 1.450 Mitgliedern und von allen Hamburgerinnen und Hamburgern, die uns brauchen und uns unterstützen, positiv angenommen wird. Wir hoffen, noch mehr Besucher als in den besten Jahren des alten Louis-Braille-Hauses (bis zu 5.000 pro Jahr) empfangen und ihnen helfen zu können und freuen uns über Mitgliederzuwachs.

Wir laden andere Organisationen und unsere Nachbarn ein, unsere Räumlichkeiten zu nutzen. Und wir bitten die Medien, um ihre Aufmerksamkeit für unsere Veranstaltungen. Nur gemeinsam können wir der zunehmenden Kälte in der Sozialpolitik widerstehen.

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