Kongress für Blinden und Sehbehindertenpädagogik: Teilhabe gestalten

25.07.2008 (Kommentare: 0)

der 34. Kongress für Blinden und Sehbehindertenpädagogik "Teilhabe gestalten" des Verbandes der Blinden- und Sehbehindertenpädagoginnen und -pädagogen (VBS) fand vom 14. bis 18. Juli statt. Von Montag bis Freitag trafen sich etwa 700 Engagierte aus Pädagogik, Selbsthilfe und Politik, um in fünf Schwerpunktsymposien über die Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen am sozialen Leben, an Bildung und Beruf zu diskutieren, sowie sich über technische Hilfen für Bildung und Seheinschränkung aufgrund von Gehirnschädigungen auszutauschen.

Der Schirmherr des Kongresses Bundesarbeitsminister Olaf Scholz nahm auch selbst an der Eröffnung des Kongresses teil und war damit neben der Bundesbehindertenbeauftragten Karin Evers-Meyer und der Niedersächsischen Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann einer von vielen namhaften Vertretern aus der Politik.

240 Referentinnen und Referenten sprachen in zahlreichen Einzelveranstaltungen zu einer Vielzahl spezieller Fachfragen von Bildung, Förderung und Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen. In vielen zentralen Vorträgen und Podiumsdiskussionen kam dabei immer wieder ein aktuelles Schlagwort auf die Tagesordnung: Inklusion. Die schulische Integration für blinde und sehbehinderte Schüler bedeutet vor allem, dass die Betreffenden so gefördert und mit Hilfsmitteln und Lernmaterial ausgestattet werden, dass sie im Unterricht der allgemeinen Schule mithalten können. Inklusion meint dagegen, dass auch die allgemeine Schule ihren Unterricht so verändern muss, dass Schüler mit ihren vielfältigen Eigenarten- z. B. einer Seheinschränkung - gut lernen können. Während manche Referenten und Teilnehmer gern alle Schüler mit Seheinschränkungen in den allgemeinen Schulen sehen würden, warnten andere vor den Risiken und hoben die Wichtigkeit der Spezialschulen hervor. DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke betonte in einem Forum, dass sowohl im gemeinsamen Unterricht als auch in der Spezialschule auf hohe Qualität geachtet werden muss und dass in beiden Formen noch viel zu verbessern sei.

Die Selbsthilfe setzte beim Kongress unübersehbare Akzente. In über zehn Veranstaltungen referierten neben Hans-Werner Lange und Thomas Kahlisch vom DBSV-Präsidium viele andere Fachleute über Themen von beruflicher Integration über E-Learning und Austausch mit Gleichbetroffenen bis zu Blindenfußball.

Am Rande des Kongresses wurde in der VBS-Delegiertenversammlung auch ein neuer Vorstand gewählt. Neuer VBS-Vorsitzender ist Dieter Feser, Direktor der Nikolauspflege in Stuttgart, seine neue Stellvertreterin Gudrun Lemke-Werner, vom Taubblindenzentrum Hannover. Erwin Denninghaus und Jürgen Rieskamp wurden in den Vorstand wiedergewählt. DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke begrüßt gegenüber DBSV-direkt die Wahl und ist sehr zuversichtlich, dass die bisherige konstruktive Zusammenarbeit zwischen VBS und DBSV noch intensiviert werden kann und "wir künftig bildungspolitisch noch mehr mit einer Stimme sprechen, um die Bildungschancen für junge Menschen mit Seheinschränkung zu verbessern".

Und diese Zusammenarbeit wird zukünftig immer wichtiger, wie aus den Worten des scheidenden VBS-Vorsitzenden Eberhard Fuchs bei seiner Eröffnungsansprache hervorgeht: "Wenn fachliche Belange zunehmend an Gewicht verlieren, hoch spezifisches Wissen immer weniger präsent ist, was wird dann aus dem Anspruch Betroffener auf individuelle Unterstützung? Was wird dann aus dem Anspruch Betroffener, dass sie Barriere frei Recht auf Bildung haben, damit sie gleichberechtigt teilhaben können am Leben in der Gemeinschaft? [...] Wo immer weniger Kenntnisse über Folgen und Probleme sowie adäquate spezifische Unterstützungsmaßnahmen vorhanden sind werden auch immer weniger spezifische Hilfen abgerufen ganz im Sinne von "Wo schwaches Angebot, da auch geringe Nachfrage"! So können wir nicht Teilhabe gestalten, weil wir die Barrieren, die wir beseitigen müßten, gar nicht mehr sehen. Wir stehen ganz sicherlich vor noch wachsenden Aufgaben!"

Einzelheiten zum Kongressprogramm und zu den Ergebnissen werden auf der Internetseite des VBS veröffentlicht: www.vbs-gs.de. Im Kongressbericht, der auf Datenträger und in Schwarzschrift erhältlich sein wird, werden viele Kongressbeiträge nachzulesen sein. Auch der DBSV wird die Ergebnisse des Kongresses weiter auswerten, z. B. in seiner Verbandszeitschrift "Die Gegenwart".

Quelle: DBSV-Direkt Nr. 31/08

Unsere Nachrichten als RSS-Feed

Zurück