Behindertenpolitik: Senatskoordinatorin besucht Louis-Braille-Center

10.03.2010 (Kommentare: 0)

Hamburg hat eine neue Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen. Antje Blumenthal hat dieses Ehrenamt seit September 2009 inne. Sie besuchte am 11. Februar das Louis-Braille-Center. Sie besichtigte die Hilfsmittel- und Sehhilfen-Ausstellung, ließ sich Punktschriftdrucker und Snoozelen-Raum vorführen und traf sich mit den BSVH-Vorsitzenden Petra Meyer und Hilding Kißler und PR-Juniorberater Heiko Kunert zu einem Gespräch.

Antje Blumenthal übte hierbei deutliche Kritik am Verkehrskonzept Shared Space, das vom BSVH ebenfalls kritisch gesehen wird. Sie gab zu bedenken, dass es nicht nur für sehbehinderte und blinde Menschen, sondern auch für gehörlose Bürger Risiken berge. Außerdem hatte die Senatskoordinatorin kein Verständnis dafür, dass bei Umbaumaßnahmen an U-Bahnhaltestellen nicht von Vornherein ein Aufzug eingebaut würde. Und sie kündigte an, eine Gesprächsrunde über die Lage auf Hamburgs Gehwegen einzuberufen. "Wir müssen für die Zukunft daraus lernen", so Blumenthal. In den vergangenen Monaten hatten viele sehbehinderte und blinde Menschen jeden Spaziergang vermieden, da die Wege durch dicke eisplatten und nicht geräumten Schnee zu einer Gefahrenquelle geworden waren.

Hilding Kißler machte sich bei Frau Blumenthal, die auch im NDR-Rundfunkrat sitzt, dafür stark, dass die Zahl der ausgestrahlten Hörfilme im Norddeutschen Rundfunk gesteigert werden müsste. Kißler: "Da muss was passieren." Des Weiteren wies Herr Kißler darauf hin, dass es immer wieder Probleme gebe, Behördenpost in einer zugänglichen Version zu erhalten. Nach dem Gleichstellungsgesetz haben sehbehinderte und blinde Menschen ein Recht darauf, Post z. B. in Braille-Schrift zu erhalten. "Da gibt es bei einigen Sachbearbeiter noch Unwissenheit", gab Frau Blumenthal zu bedenken. Schließlich war die Schulbildung sehbehinderter und blinder Kinder ein Thema. "Sicher kann nicht jede Schule behinderte Kinder aufnehmen. Da wird es Schwerpunktschulen geben", schätzt Frau Blumenthal die Lage ein. Und weiter: "Aber auch die Sonderschulen werden sich für andere Schülergruppen öffnen müssen."

Die Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen soll aus einer unabhängigen Position heraus als Mittler zwischen Bürger und Verwaltung tätig sein, als Ansprechpartner für behinderte Menschen und deren Verbände zur Verfügung stehen und deren Anfragen, Beschwerden u. ä. nachgehen. Antje Blumenthal war von 1994 bis 1997 Vorsitzende des Sozialausschusses der Hamburgischen Bürgerschaft und von 1997 bis 2001 stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bürgerschaftsfraktion. 2001 rückte sie in den Bundestag nach und war bis 2009 dessen Mitglied.

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