Ein sechsdimensionaler Raum ist für keinen Menschen sichtbar

18.12.2008 (Kommentare: 0)

Die "Stiftung spektra - Begabung und Behinderung" zeichnet den sehbehinderten Hamburger Schüler Christian Krautschneider (17) mit dem Förderpreis in Höhe von 5.000,- € für herausragende mathematische Leistungen aus. Der Preis wird am 18. Dezember feierlich in Hannover übergeben.

2008, das Jahr der Mathematik, neigt sich seinem Ende entgegen. Das neunte Wissenschaftsjahr sollte Begeisterung für die Welt der Zahlen wecken - besonders bei Jungen und Mädchen. Für viele Menschen ist Mathematik zu abstrakt und oft sogar ein "Angstfach" in der Schule. Nicht so für den 17-jährigen sehbehinderten Christian Krautschneider. Ihm macht Mathe Spaß. Bereits seit der sechsten Klasse nimmt er an der Talentförderung Mathematik teil. Zurzeit besucht er die Klasse 12 der Carl- Strehl- Schule, dem Gymnasium der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schülerin Marburg/Lahn. Die Zusatzaufgaben im Leistungskurs Mathematik stellen für ihn keine echten Herausforderung dar, da besucht er schon lieber regelmäßig Veranstaltungen an der Marburger und Hamburger Universität. Möglich wird dies auch durch spezielle Hilfsmittel an dieser speziellen Schule in Marburg:Geometrische Abbildungen aus Schulbüchern werden in tastbare Modelle umgewandelt, komplexe Formeln strukturiert dargestellt und Bildschirminhalte des Computers von einer Sprachausgabe "ausgelesen".

Aber ein sechsdimensionaler Raum ist für keinen Menschen sichtbar. "Die Mathematik ist eigentlich eine reine "Geistes"wissenschaft und so erschließt sich auch für Christian die faszinierende Welt der Mathematik mit seinem "inneren" Auge", sagt Claus Duncker, Direktor der Marburger Schule, der selbst Mathematik unterrichtet.

Die Jury schreibt in ihrer Begründung: "Im Jahr der Mathematik wird der Schüler Christian Krautschneider bedacht, der sich auch durch erschwerende Umständenicht entmutigen lässt, seiner herausragenden Begabung im Bereich Mathematik nachzugehen."

Von der Auszeichnung zeigt sich der Preisträger, der bis zur sechsten Klasse nach eigenen Angaben "ausgezeichnet gesehen hat und kerngesund war" gleichermaßenüberrascht wie beeindruckt. Mit dem Preisgeld will er sich unter anderem professionelle Mathematikprogramme für den Computer kaufen und an einem internationalen Computer-Camp teilnehmen. Denn neben seinem Steckenpferd Mathematik interessiert er sich vor allem für Computer und Technik.

Zur Person des Preisträgers:

"Ich habe früher auch sehr oft und gerne gelesen, was wegen meiner fortschreitenden Sehbehinderung zunehmend schwieriger wurde. Seit eineinhalb Jahren kannich ohne technische Hilfsmittel keine Bücher mehr lesen. Deshalb höre ich die entsprechenden Hörbücher, insbesondere Science-Fiction oder Fantasy-Romaneund philosophische Bücher.

Bis zu meinem achten Lebensjahr wohnte ich in einem kleinen Dorf in Oberbayern, dann zog ich nach Hamburg um. Dort schloss ich die Grundschule ab und besuchte anschließend das örtliche Gymnasium "Süderelbe" bis zur Mitte der 11. Klasse. Anfang Februar dieses Jahres wechselte ich zur Carl-Strehl-Schule in Marburg,ein Spezialgymnasium für Blinde und Sehbehinderte. Momentan bin ich in der 12. Klasse und bin sehr froh über die dort herrschenden Bedingungen, die mirden Schulalltag gegenüber Hamburg um einiges erleichtern. Ich werde voraussichtlich im Jahre 2010 mein Abitur an dieser Schule machen und habe vor, anschließend Mathematik zu studieren."

Christian Krautschneider leidet an einer Opticus-Atrophie (Degeneration des Sehnervs) an beiden Augen, deren Ursache bis heute unklar ist. Alle medizinischen Versuche, das Fortschreiten der Sehverschlechterung zu stoppen, sind bisher gescheitert und so hat sich seine Sehkraft bis auf ca. 5 % auf dem besserenAuge verschlechtert. Die Prognose ist unklar, es besteht allerdings Hoffnung, dass sich die Degeneration eines Tages einstellen könnte.

Zur "Stiftung spektra - Begabung und Behinderung"

Die Stiftung spektra - Begabung und Behinderung, welche von Elly Schubert 2007 im Andenken an ihren schwerbehinderten Ehemann errichtet wurde, fördert besondersbegabte Kinder und Jugendliche, die ihr überdurchschnittliches Begabungspotential ungeachtet existierender Erschwernisse durch Körper- und/oder Sinnesbehinderungenerproben und ausbauen wollen.

(Quelle: Pressemitteilung der Blindenstudienanstalt und der Stiftung Spektra)

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