Offener Brief an RTL

28.05.2013 (Kommentare: 5)

Audiodeskription für Let´s Dance

0% des Privatsfernsehens ist für blinde Menschen zugänglich. Joana Zimmer willl das ändern
Joana Zimmer fordert AD bei Let´s Dance

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

kein Format, das bei einem privaten Fernsehsender in Deutschland ausgestrahlt wird, ist für blinde und sehbehinderte Zuschauer zugänglich! Dies macht mich als Betroffene traurig, denn die Teilhabe am kulturellen Leben ist ein Recht, das niemandem verwehrt bleiben darf. Ich selbst durfte im letzten Jahr die wunderbare Erfahrung machen, als erste blinde Künstlerin bei der Tanzshow Let´s Dance teilzunehmen. Deshalb setze ich mich in meiner Online-Petition bei Change.org dafür ein, dass die Show zukünftig mit einer Bildbeschreibung, also einer Audiodeskription (AD), ausgestrahlt wird.

Als Reaktion auf die Petition hat Ihr Sender mir und allen Betroffenen mitgeteilt, dass eine Realisierung dieses Services „einen zusätzlichen finanziellen, technischen und administrativen Aufwand“ darstellt, der sich in Ihrem Hause „derzeit leider nicht darstellen lässt“. Mit dieser Antwort kann ich mich nicht zufrieden geben. Denn sie stellt eine Ausgrenzung aller Menschen mit einer Sehbehinderung dar.

Ich fordere Sie als eine der führenden Sendeanstalten im Deutschen Fernsehen auf, ein Zeichen für mehr Barrierefreiheit zu setzen. Hierfür haben der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. und ich folgenden Lösungsvorschlag erarbeitet:

Parallel zur Ausstrahlung der Sendung im Fernsehen wird RTL als Zwischenlösung für blinde und sehbehinderte Zuschauer ab 2014 die jeweilige Folge online mit einem Live-Kommentar in der Mediathek zur Verfügung stellen.

Dieses Verfahren ist bei der Sport-Berichterstattung seit Jahren Standard und sollte sich mit vergleichbar geringeren Mitteln realisieren lassen, als eine AD im Fernsehen. Dies kann aus unserer Sicht jedoch nur ein erster, vorläufiger Schritt sein. Ziel muss eine AD-Fassung im TV sein, damit wirklich alle blinden und sehbehinderten Menschen Zugang bekommen - nicht nur diejenigen mit PC und Internet. Eine Hörfilmproduktion kostet für 90 Minuten gerade einmal 5.000 Euro.

Bitte prüfen Sie die Möglichkeit, auf diese Weise ein Bekenntnis für mehr Barrierefreiheit im Deutschen Privatfernsehen zu setzen und zeigen Sie als Marktführer, dass Teilhabe nicht nur eine leere Phrase ist.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir gemeinsam in der Finalshow am kommenden Freitag, den 31. Mai 2013 verkünden könnten, dass blinde und sehbehinderte Menschen ab 2014 dieses wunderbare Format miterleben können.
Um eine Antwort wird gebeten bis zum 29. Mai 2013 an die Mailadresse presse@bsvh.org.

Mit freundlichen Grüßen
Joana Zimmer

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Kommentar von Fritz | 28.05.2013

Hallo,

zuerst einmal wünsche ich der Aktion viel Erfolg (obwohl ich persönlich bezweifle, dass Privatsender, die rein kommerziell orientiert arbeiten _müssen_, sich den "Luxus" leisten können/wollen, Vorreiter zu sein, ohne gesetzliche Verpflichtung).

Doch mein Interesse hat ein spezieller Passus im Artikel geweckt:
Sollte der genannte Preis von 5.000 Euro für 90 Minuten AD tatsächlich realistisch sein? Ich kenne da z.B. aus dem Bereich Gebärdensprachvideos andere Größenordnungen.

Gruß Fritz

Kommentar von N.Aydemir | 28.05.2013

Inklusion geht uns alle an und es ist längst an der Zeit, dieses Wort mit Leben zu füllen. Jeder Mensch sollte die Wahl haben, eine Sendung verfolgen zu können. Es darf nicht mehr heißen: "Du kannst das nicht, weil...." sondern "Sag mir, was du brauchst, damit du das auch kannst!"

Kommentar von Thomas | 28.05.2013

Vielen lieben Dank an Joana Zimmer,

Ich persönlich bezweifle, daß RTL , ( nur auf Kommerz getrimmt ) den Bedürfnissen Behinderter Menschen nachkommt. ( Es Sei denn, sie können sich hervorheben daraus Werbung machen und werden auch noch dafür bezahlt, dann sofort ). Vielleicht sollte man eher viel weiter greifen, als nur uf den Privatsender RTL, und allen öffentlichen Medienanstalten eine Pflicht aufbürden, Behinderten Menschen jeder Art der Behinderung, den Zugang zur Teilhabe am öffentlich Rechtlichen Medienempfang möglich zu machen. Öffentlich Rchtliche Medienanstalten sowie Fernsehsender sind bereits dazu verpflichtet, - tun es aber nicht. Wo man kein Streichholz in Busch wirft, gibts auch kein Brand, heißt es ja so schön, also bleiben die Belange der Behinderten auf der Strecke.

Wo kein Kläger, da keine >Klage

Wir müssen nicht um die Audiodiskreption betteln, wir haben ein RECHT darauf, was längst gesetzlih festgelegt wurde, nur muss einer hingehen, und den eingeschlafenen Paragraphen aufwecken, der laut <Behindertenrecht und in Verbindung der Öffentlich Rechtlichen Rundfunk und Fernsehanstalten in einem, das heißt in FORDERUNG suf Gleichstellung gerechtfertigt ist, da uns ja auch lt GEZ, die dafür benötigten Gebühren einfach auch gegen unseren Willen abgezogen werden.

Diese Gebühren bezahlen Blinde für das Fernseh " hören " und dazu gehört die Audiodiskreption, die nicht geliefert wird von ALLEN Sendern jeder Art. Dafür steht die GEZ. Und wenn dieser Fall alleine 40 Tausend Sehbehinderte in Hamburg, davon 3000 Garantiert VOLLBlinde als Rechteinhaber des Vertrages mit der GEZ schädigt, sollte man über eine Verfassungsklage in Karlsruhe nachdenken.

Jeder bezahlt den Vertrag und muss bettlerisch auftreten, um den Inhalt zu erhalten, jedoch liegt es dann am Gut und Wollen des Vertragspartners, darauf überhaupt zu reagieren, bzw. zu agieren ? das darf nicht sein.

Kommentar von thomas | 28.05.2013

Falls in der Lets Dance Show am
Freitag, den 31. Mai 2013 verkündet wird -
dass blinde und sehbehinderte Menschen ab 2014 dieses wunderbare Format des Tanzens miterleben können, werde ich höchst Persönlich in der Sendung einen ROBO Dance,( für 2014 ) als ehem. Künstler, ( BLIND ) der schon in namenhaften Diskotheken aufgetreten ist, kostenfrei aufführen.

Dafür stehe und verbürge ich mich mit meinem Namen.

Siehe auch : http://youtu.be/qJLbOFSYg_c

Kommentar von Philippe Roediger | 03.06.2013

Ich bin langsam so wütend darüber daß wir immer nur von Inklusion sprechen und sie nur bekommen, wenn sie nichts kostet, daß ich öffentlich über eine Verfassungsklage nachdenke. Wenn es Mitstreiter gäbe, würde ich wirklich dafür plädieren.