Blinde und sehbehinderte Kinder brauchen mehr Fachpädagogen

15.10.2012 (Kommentare: 0)

Zum diesjährigen Tag des weißen Stockes haben sich DBSV, DVBS und PRO RETINA zusammengetan, um gemeinsam mehr Blinden- und Sehbehindertenpädagogen zu fordern.

Blinde Schülerin liest Blindenschrift
Blinde Schülerin liest Blindenschrift - Bildnachweis: DBSV/Friese

Anlässlich des "Internationalen Tags des weißen Stockes" der Vereinten Nationen am 15. Oktober schlagen drei Selbsthilfeorganisationen Alarm: Nach ihren Schätzungen fehlen in Deutschland 400 Blinden- und Sehbehindertenlehrer. So müssen blinde Kinder von Lehrern unterrichtet werden, die keine Blindenschrift können, und sehbehinderte von solchen, die sich mit Sehschärfe, Gesichtsfeld und Blendempfindlichkeit kaum auskennen.

Nur fünf Hochschulen vermitteln hierzulande das nötige Fachwissen, um Schülern mit Seheinschränkung alles beizubringen, was ihre sehenden Altersgenossen auch erfahren. Doch die wenigen Sonderpädagogen, die jedes Jahr ihren Abschluss machen, reichen bei weitem nicht aus, um die freien Stellen zu besetzen.

Verschärft wird das Problem dadurch, dass sich Deutschland durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet hat, für die Inklusion behinderter Menschen auch in der Beschulung zu sorgen. Das bedeutet, dass in Zukunft noch mehr Blinden- und Sehbehindertenpädagogen gebraucht werden als heute.

"Inklusion bedeutet unter anderem das Recht, in Wohnortnähe eine Regelschule zu besuchen", erklärt die Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Renate Reymann. "Das ist gut so, doch die Bundesländer stehlen sich aus ihrer Verantwortung, wenn sie die Behindertenrechtskonvention erst unterschreiben und dann nicht für die Ausbildung der nötigen Fachleute sorgen." Uwe Boysen, der Vorsitzende des Deutschen Vereins Blinder und Sehbehinderter in Studium und Beruf, plädiert für eine Wahlfreiheit von behinderten Kindern und deren Eltern zwischen Förderschule und Regelschule. Doch auch er meint: "Es muss dezentralere Strukturen geben, wenn die schulische Inklusion gelingen soll, und sie gelingt sicher nicht, wenn immer weniger Blinden- und Sehbehindertenlehrer ihre Kollegen an den Regelschulen unterstützen."

"Versuchen Sie mal jemandem, der nie gesehen hat, zu erklären, wie hoch der Kölner Dom ist", macht Ute Palm, die stellvertretende Vorsitzende von PRO RETINA Deutschland, den Bedarf an ausgebildeten Sonderpädagogen deutlich. "Für ihn hört die Wahrnehmung von Größenverhältnissen an den Körpergrenzen auf und also werden Sie es ihm Schritt für Schritt erfahrbar machen müssen." Für die Vermittlung von Lehrinhalten unterschiedlichster Art ist eine Spezial-Ausbildung unerlässlich. "Die schulische Inklusion darf kein Sparmodell auf Kosten behinderter Menschen werden", warnt Renate Reymann.

Quelle: http://www.dbsv.org/dbsv/aktuelles/alias/article/1647/28/

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