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Geschichte
100 Jahre BSVH
1909

am 4. Januar, also zum 100. Geburtstag von Louis Braille wird der "Verein der Blinden von Hamburg und Umgebung" gegründet. "Der Verein bezweckt den Zusammenschluss der im Vereinsgebiet lebenden Blinden zu gemeinschaftlicher Verfolgung gesellschaftlicher Interessen. Der Zweck des Vereins besteht ferner darin, den Mitgliedern durch Rat und Nachweis von Tätigkeit behülflich zu sein" (§1 der Satzung).
1911
Um blinden Menschen eine Ausbildung zum Masseur zu ermöglichen, nimmt der Verein Gespräche mit dem Medizinalamt in Hamburg auf. Erst nach langen und zähen Verhandlungen kann diese Ausbildung beginnen.
1912
Die inzwischen zahlreich gegründeten Blindenvereine in den Ländern gründen als ihr Dach den Reichsdeutschen Blindenverband, RBV. Einer der Initiatoren ist Franz Walter Vogel, der 1. Vorsitzende des "Vereins der Blinden von Hamburg und Umgebung". Vogel übernimmt in den ersten Jahren auch den Vorsitz des RBV. Beide Organisationen arbeiten eng zu zusammen.
1915
Der "Verein der Blinden von Hamburg und Umgebung" veranstaltet gemeinsam mit dem RBV eine große Ausstellung im Curio-Haus. Es werden die Arbeiten blinder Handwerker verkauft, Konzerte blinder Musiker geboten und Hilfsmittel ausgestellt. Das eingenommene Geld kommt den im Krieg Erblindeten zugute.
1925

Der Verein gründet die Blindengenossenschaft Hansa. Die Genossenschaft muss sich in ihrer Anfangszeit gegen schwere Anfeindungen wehren, 1943 wird ihre Geschäftsstelle zerbombt. Sie zieht nach Timmendorfer Strand und wird erst 1970 aufgelöst.
1933 – 1945
Der Verein wird "gleichgeschaltet" und ein neuer Vereinsleiter wird eingesetzt. Die Satzung muss an das nationalsozialistische Gedankengut angepasst und von der Gestapo genehmigt werden. Der Verein verzichtet weitgehend darauf, Forderungen an die Gesellschaft zu stellen, Einschränkungen müssen hingenommen werden. Man konzentriert sich darauf, möglichst vielen blinden Menschen eine Arbeitstelle zu vermitteln, denn behinderte Menschen müssen sich als "vollwertige Mitglieder der deutschen Volksgemeinschaft" beweisen, um ihre Existenz zu rechtfertigen.
1947
Erste neue und wieder demokratische Satzung der Nachkriegszeit.
1950

Der Verein bezieht sein neues Vereinshaus in der Wagnerstraße. Die Geschäftstelle, Schulungs- und Veranstaltungsräume finden darin Platz.
1952

Der Blindenverein Hamburg kann in Timmendorfer Strand im "Haus Sonneneck" Erholungsfürsorge für seine Mitglieder anbieten.
1960
Der weiße Stock wird in die Straßenverkehrzulassung aufgenommen.
1966

Der Verein weiht in Lurup 44 Wohnungen für blinde Menschen ein, um ihnen eine weitgehend selbständige Lebensführung zu ermöglichen. Auf dem Gelände entsteht auch ein Kulturhaus, in dem Versammlungen, Kegelabende und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt werden.
1971

Nach langen Bemühungen ist der Verein erfolgreich - die Hamburger Bürgerschaft beschließt die Einführung des Landesblindengeldes. Es soll die erhöhten Lebenskosten blinder Menschen ausgleichen und ist eine wesentliche Hilfe zur sozialen Integration.
1980
Immer mehr Menschen werden immer älter und erleiden im Alter schwerwiegende Sehprobleme. Der Blindenverein reagiert darauf und bietet für spät erblindete Menschen besondere Rehabilitationskurse an.
1985

Der Verein erwirbt vom DBV das Alfons-Gottwald-Haus, renoviert dieses zeitgemäß und baut damit die Erholungsfürsorge sowie seine Rehabilitationskurse aus.
1987
Um die ständig zunehmenden Herausforderungen bewältigen zu können, wird erstmals ein Geschäftsführer eingestellt. Das Grundprinzip von ehrenamtlicher Selbsthilfe bleibt erhalten.
1989

Der Verein bezieht im Holsteinischen Kamp ein größeres Haus, das Louis-Braille-Haus. Es bietet eine Hilfsmittelausstellung und eine Sozialberatung. Viele ehrenamtliche Mitglieder organisieren hier Veranstaltungen zu verschiedenen Themen aus Beruf, Medizin, Alltag und Kultur.
1990
Zum Aufbau einer aktiven Seniorenarbeit ("SEGeN" – Selbsthilfe-Engagement Gerontologie – eine Notwendigkeit" wird eine Seniorenberaterin angestellt.
1994

findet die erste "Mini-Cebit" statt, eine Ausstellung elektronischer Hilfsmittel.
1997
Da immer mehr hochgradig sehbehinderte Menschen zum BVH kommen, wird die Satzung angepasst und der Vereinsname erweitert auf: Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. – Selbsthilfeorganisation der Blinden und Sehbehinderten.
2000

Das Alfons-Gottwald-Haus wird durch erneuten Umbau und eine völlige Umstrukturierung zum "AURA-Hotel Timmendorfer Strand" und setzt damit bundesweit neue Impulse in der Erholungsfürsorge für blinde und sehbehinderte Menschen.
2000
Durch eine weitere Satzungsänderung können jetzt auch sehbehinderte Menschen Mitglied werden.
2003
Nach Zukauf des Nachbargrundstücks erfährt das LBH eine erhebliche Erweiterung und völlige Umgestaltung. Die zahlreichen Angebote und Veranstaltungen werden übersichtlicher zusammengelegt und sind dadurch für alle Rat suchenden Menschen leichter erreichbar.
2005

Aus dem Louis-Braille-Haus wird das Louis-Braille Center (LBC).
2007
Die erste Ausstellung "Durchblick" findet statt, ein Informationstag für sehbehinderte Menschen und ihre Angehörigen.
2009
Der BSVH hat um die 1.500 Mitglieder.
Weiterführende Informationen
200 Jahre Louis Braille
1784
Valentin Haüy unterrichtet in Paris den ersten blinden Jugendlichen und legt damit den Grundstock zum "Institut Royal des Jeunes Aveugles", der ersten Blindenschule der Welt.
1809
Louis Braille wird am 4. Januar geboren. Er erblindet im Alter von drei Jahren durch den Stich einer Schuster-Ahle in der Werkstatt seines Vaters.
1825
Mit zehn Jahren kommt er an das "Institut Royal des Jeunes Aveugles" und lernt dort Barbiers Nachtschrift kennen, aus der er eine Sechs-Punkte-Schrift entwickelt, das erste brauchbare Blindenschriftalphabet der Welt.
Die Vorteile dieser Schrift liegen für die blinden Menschen buchstäblich auf der Hand
- Mit diesen sechs Buchstaben können alle Schriftzeichen abgebildet werden
- Die Grundform nimmt keine größere Fläche ein, als die Fingerkuppe abtasten kann.
- Blinde Menschen können sie gut schreiben.
- Bücher können gut in Punktschrift übertragen werden.
1830
Einige Hamburger Privatleute gründen die erste Hamburger Blindenschule und die Blindenanstalt Hamburg.
1872
Blinde Handwerker gründen die erste Hamburger Blindengenossenschaft. Der §1 lautet: "Der Zweck ist die gesellige und geschäftliche Förderung seiner Mitglieder"
